Finanzierung

Anschlussfinanzierung – So sichern Sie sich die besten Konditionen

Wenn die Zinsbindung ausläuft, brauchen Sie eine Anschlussfinanzierung. So finden Sie die besten Konditionen.

Orhan Keserli
9 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • Schon 0,3 Prozentpunkte Zinsunterschied können bei 210.000 Euro Restschuld über 10 Jahre rund 5.000 Euro ausmachen.
  • Es gibt drei Optionen für die Anschlussfinanzierung: Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen.
  • Ein Forward-Darlehen sichert heutige Zinsen bis zu 66 Monate im Voraus, erfordert aber einen Zinsaufschlag.
  • Nach § 489 BGB kann jedes Darlehen nach 10 Jahren mit 6 Monaten Frist kostenfrei gekündigt werden.
  • Spätestens 6 Monate vor Ablauf der Zinsbindung sollte die Entscheidung zur Anschlussfinanzierung feststehen.
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Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Wenn die vereinbarte Zinsbindung Ihres Immobiliendarlehens ausläuft, ist die Restschuld in den meisten Fällen noch nicht vollständig getilgt. Sie benötigen dann eine Anschlussfinanzierung – entweder bei Ihrer bisherigen Bank oder bei einem neuen Anbieter. Dieser Moment ist eine der größten finanziellen Weichenstellungen nach dem ursprünglichen Immobilienkauf, denn die Konditionen Ihrer Anschlussfinanzierung bestimmen Ihre monatliche Belastung für die nächsten 10, 15 oder sogar 20 Jahre.

Viele Immobilienbesitzer in Monheim am Rhein und Umgebung unterschätzen die Bedeutung der Anschlussfinanzierung. Sie akzeptieren das erste Angebot ihrer Hausbank, ohne zu vergleichen – und verschenken damit oft Tausende Euro. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Optionen Sie haben, wann Sie aktiv werden sollten und wie Sie die besten Konditionen für Ihre Anschlussfinanzierung sichern.

Warum ist die Anschlussfinanzierung so wichtig?

Betrachten Sie folgendes Beispiel: Sie haben vor 10 Jahren einen Kredit über 300.000 Euro zu einem Zinssatz von 1,5 % aufgenommen. Die Restschuld beträgt jetzt noch 210.000 Euro. Wenn der aktuelle Marktzins bei 3,8 % liegt, steigt Ihre monatliche Rate erheblich – es sei denn, Sie verhandeln geschickt und vergleichen Angebote.

Die Auswirkung von Zinsunterschieden bei der Anschlussfinanzierung

| Restschuld | Zinssatz | Tilgung 2 % | Monatliche Rate | Zinskosten über 10 Jahre | |---|---|---|---|---| | 210.000 Euro | 3,5 % | 2,0 % | 963 Euro | ca. 62.000 Euro | | 210.000 Euro | 3,8 % | 2,0 % | 1.015 Euro | ca. 67.000 Euro | | 210.000 Euro | 4,1 % | 2,0 % | 1.068 Euro | ca. 72.000 Euro |

Schon ein Unterschied von 0,3 Prozentpunkten beim Zinssatz macht bei einer Restschuld von 210.000 Euro über 10 Jahre einen Unterschied von rund 5.000 Euro. Bei 0,6 Prozentpunkten sind es bereits 10.000 Euro. Das zeigt: Vergleichen lohnt sich.

Drei Optionen für die Anschlussfinanzierung

1. Prolongation: Die einfachste Lösung

Bei einer Prolongation verlängern Sie den Kredit bei Ihrer bestehenden Bank zu neuen Konditionen. In der Regel erhalten Sie ca. 3 Monate vor Ablauf der Zinsbindung ein Prolongationsangebot Ihrer Bank.

Vorteile:

  • Kein neuer Kreditantrag nötig – keine erneute Bonitätsprüfung
  • Schnelle und unkomplizierte Abwicklung
  • Keine Grundbuchänderung erforderlich
  • Kein Abtretungsentgelt
  • Geringster bürokratischer Aufwand

Nachteile:

  • Oft nicht die besten Konditionen, da die Bank weiß, dass viele Kunden aus Bequemlichkeit bleiben
  • Wenig Verhandlungsspielraum, wenn Sie keine Konkurrenzangebote vorlegen
  • Keine Möglichkeit, grundlegend andere Vertragskonditionen auszuhandeln

Tipp: Auch wenn Sie bei Ihrer Bank bleiben möchten, holen Sie vorab Vergleichsangebote ein. Mit einem günstigeren Angebot in der Hand haben Sie eine starke Verhandlungsposition.

2. Umschuldung: Der Wechsel zu einer anderen Bank

Bei einer Umschuldung lösen Sie den bestehenden Kredit bei Ihrer alten Bank ab und nehmen ein neues Darlehen bei einem anderen Kreditinstitut auf. Der Aufwand ist etwas höher als bei der Prolongation, kann sich finanziell aber sehr lohnen.

Vorteile:

  • Oft deutlich bessere Zinssätze als bei der Prolongation
  • Sie nutzen den Wettbewerb zwischen Banken zu Ihrem Vorteil
  • Neue Tilgungsoptionen und Sondertilgungsrechte können vereinbart werden
  • Möglichkeit, die Darlehensbedingungen komplett neu zu gestalten

Nachteile:

  • Kosten für Grundbuchänderung: Die Grundschuld muss von der alten auf die neue Bank übertragen werden (ca. 0,2–0,4 % der Restschuld, also bei 210.000 Euro ca. 420–840 Euro)
  • Neuer Kreditantrag mit vollständiger Bonitätsprüfung erforderlich
  • Mehr Papierkram: Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge, aktuelle Immobilienbewertung
  • Zeitaufwand für Vergleich und Abwicklung

Wichtig: Die Kosten der Grundbuchänderung amortisieren sich häufig bereits innerhalb des ersten Jahres, wenn der neue Zinssatz deutlich günstiger ist. Rechnen Sie genau nach.

Checkliste für die Umschuldung

  • [ ] Restschuld und Ablaufdatum der Zinsbindung ermitteln
  • [ ] Mindestens 3–5 Angebote von verschiedenen Banken einholen
  • [ ] Gesamtkosten der Umschuldung berechnen (Grundbuchkosten, ggf. Notarkosten)
  • [ ] Vergleich: Ersparnis durch niedrigeren Zins vs. Umschuldungskosten
  • [ ] Alle Unterlagen vorbereiten (Gehaltsnachweise, Grundbuchauszug, aktuelle Fotos der Immobilie)
  • [ ] Neuen Kreditvertrag vor Ablauf der alten Zinsbindung abschließen
  • [ ] Abtretung oder Neueintragung der Grundschuld veranlassen

3. Forward-Darlehen: Heute die Zinsen von morgen sichern

Mit einem Forward-Darlehen sichern Sie sich schon heute die aktuellen Zinsen für eine Anschlussfinanzierung, die erst in der Zukunft beginnt – bis zu 66 Monate (5,5 Jahre) im Voraus. Das Darlehen wird erst zum vereinbarten Zeitpunkt ausgezahlt, der Zinssatz steht aber bereits fest.

Vorteile:

  • Absolute Zinssicherheit: Sie wissen heute schon, was Sie morgen zahlen
  • Volle Planungssicherheit für Ihre Haushaltsplanung
  • Kein Risiko bei steigenden Zinsen
  • Sinnvoll, wenn die Zinsen aktuell niedrig sind und Sie steigende Zinsen erwarten

Nachteile:

  • Zinsaufschlag: Für die Zinssicherung zahlen Sie einen Aufpreis von ca. 0,01–0,03 % pro Monat Vorlaufzeit (bei 36 Monaten Vorlauf z. B. 0,36–1,08 % Aufschlag)
  • Bindung: Auch wenn die Zinsen wider Erwarten sinken, sind Sie an den vereinbarten Zinssatz gebunden
  • Keine Möglichkeit, von fallenden Zinsen zu profitieren

Kostenbeispiel Forward-Darlehen

| Vorlaufzeit | Zinsaufschlag (ca.) | Effektiver Zinssatz (bei 3,5 % Basiszins) | |---|---|---| | 12 Monate | 0,12–0,36 % | 3,62–3,86 % | | 24 Monate | 0,24–0,72 % | 3,74–4,22 % | | 36 Monate | 0,36–1,08 % | 3,86–4,58 % | | 48 Monate | 0,48–1,44 % | 3,98–4,94 % | | 60 Monate | 0,60–1,80 % | 4,10–5,30 % |

Tipp: Ein Forward-Darlehen lohnt sich vor allem, wenn Sie mit steigenden Zinsen rechnen und Ihre Zinsbindung in 1–3 Jahren ausläuft. Bei längeren Vorlaufzeiten wird der Zinsaufschlag zunehmend teurer.

Vergleich der drei Optionen

| Kriterium | Prolongation | Umschuldung | Forward-Darlehen | |---|---|---|---| | Aufwand | Gering | Mittel | Mittel | | Kosten | Keine Zusatzkosten | Grundbuchkosten 0,2–0,4 % | Zinsaufschlag | | Zinsvorteil | Gering | Oft erheblich | Zinssicherung | | Planungssicherheit | Erst 3 Monate vorher | Einige Monate vorher | Bis zu 5 Jahre vorher | | Flexibilität | Eingeschränkt | Hoch | Eingeschränkt | | Geeignet für | Bequeme Lösung | Sparer, die vergleichen | Sicherheitsbewusste |

Der optimale Zeitplan für Ihre Anschlussfinanzierung

Eine erfolgreiche Anschlussfinanzierung beginnt lange vor dem Ablauf der Zinsbindung. Hier ist Ihr Zeitplan:

5 Jahre vor Ablauf der Zinsbindung

  • Prüfen Sie, ob ein Forward-Darlehen sinnvoll ist – insbesondere bei niedrigem Zinsniveau
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre aktuelle Restschuld und die verbleibende Zinsbindung
  • Informieren Sie sich über die aktuelle Zinsentwicklung

2–3 Jahre vor Ablauf

  • Beginnen Sie, den Zinsmarkt aktiv zu beobachten
  • Holen Sie erste unverbindliche Angebote ein, um ein Gefühl für die Konditionen zu bekommen
  • Prüfen Sie erneut, ob ein Forward-Darlehen jetzt sinnvoll wäre

1 Jahr vor Ablauf

  • Starten Sie den aktiven Vergleich: Holen Sie mindestens 3–5 verbindliche Angebote ein
  • Berechnen Sie die Gesamtkosten jeder Option (Prolongation vs. Umschuldung)
  • Bereiten Sie alle Unterlagen vor (Gehaltsabrechnungen, Grundbuchauszug, etc.)

6 Monate vor Ablauf

  • Spätestens jetzt sollte die Entscheidung fallen
  • Verhandeln Sie mit Ihrer Hausbank auf Basis der Konkurrenzangebote
  • Leiten Sie bei einer Umschuldung die Grundbuchabtretung ein

3 Monate vor Ablauf

  • Ihre Bank wird Ihnen ein offizielles Prolongationsangebot machen
  • Vergleichen Sie dieses Angebot mit Ihren bereits eingeholten Konditionen
  • Unterschreiben Sie den neuen Vertrag und klären Sie die technische Abwicklung

Am Tag des Ablaufs

  • Der nahtlose Übergang zur Anschlussfinanzierung sollte sichergestellt sein
  • Die neue Zinsbindung beginnt automatisch

Tipps für bessere Konditionen

1. Mehrere Angebote einholen und verhandeln

Holen Sie mindestens 3–5 Angebote von verschiedenen Anbietern ein: Hausbank, Direktbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Finanzierungsvermittler. Legen Sie Ihrer Hausbank das günstigste Konkurrenzangebot vor – in vielen Fällen wird sie nachbessern.

2. Tilgung anpassen

Die Anschlussfinanzierung ist eine gute Gelegenheit, die Tilgungsrate zu überprüfen. Wenn Ihr Einkommen in den letzten Jahren gestiegen ist, erhöhen Sie die Tilgung. So verkürzen Sie die Restlaufzeit erheblich.

3. Sondertilgungen vereinbaren

Auch bei der Anschlussfinanzierung sollten Sie Sondertilgungsmöglichkeiten (üblicherweise 5–10 % der Darlehenssumme pro Jahr) vereinbaren. Diese kosten meist nichts extra, bieten aber wertvolle Flexibilität.

4. Restschuld vor Anschlussfinanzierung reduzieren

Wenn Sie Ersparnisse haben, können Sie diese nutzen, um vor Beginn der Anschlussfinanzierung eine Sondertilgung zu leisten. Eine geringere Restschuld bedeutet eine niedrigere monatliche Rate oder eine kürzere Laufzeit.

5. Bonität optimieren

Vor der Beantragung einer Anschlussfinanzierung bei einer neuen Bank sollten Sie Ihre SCHUFA-Auskunft prüfen und eventuelle Fehler korrigieren. Eine gute Bonität ist der Schlüssel zu den besten Konditionen.

6. Gesamtkosten vergleichen, nicht nur den Zinssatz

Achten Sie beim Vergleich nicht nur auf den Nominalzins, sondern auf den Effektivzins und die Gesamtkosten über die gesamte neue Zinsbindung. Berücksichtigen Sie auch etwaige Kosten für Grundbuchabtretung, Kontoführung und die Flexibilität bei Sondertilgungen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was passiert, wenn ich mich nicht um die Anschlussfinanzierung kümmere?

Wenn Sie nichts unternehmen, stellt Ihre Bank die Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung nicht sofort fällig. Stattdessen wird der Kredit in der Regel zu einem variablen Zinssatz weitergeführt. Dieser variable Zins kann deutlich höher sein als ein festgeschriebener Zins und ändert sich alle 3–6 Monate. Es ist daher dringend empfehlenswert, sich rechtzeitig um eine Anschlussfinanzierung zu kümmern.

Kann meine Bank mir eine Anschlussfinanzierung verweigern?

Bei einer Prolongation bei der gleichen Bank ist eine Verweigerung selten, aber möglich – etwa wenn sich Ihre Bonität massiv verschlechtert hat. Bei einer Umschuldung zu einer neuen Bank durchlaufen Sie eine reguläre Bonitätsprüfung, und eine Ablehnung ist möglich.

Lohnt sich eine Umschuldung auch bei kleinen Zinsunterschieden?

Ja, auch kleine Unterschiede summieren sich. Bereits 0,2 Prozentpunkte weniger Zins sparen bei 200.000 Euro Restschuld über 10 Jahre ca. 3.400 Euro. Allerdings müssen Sie die Kosten der Umschuldung (Grundbuchabtretung ca. 400–800 Euro) gegenrechnen.

Kann ich während der laufenden Zinsbindung umschulden?

Grundsätzlich nicht ohne Weiteres. Während der Zinsbindung sind Sie an Ihren Vertrag gebunden. Eine vorzeitige Kündigung ist nur in Ausnahmefällen möglich (z. B. Verkauf der Immobilie) und zieht eine Vorfälligkeitsentschädigung nach sich. Ausnahme: Nach 10 Jahren können Sie gemäß § 489 BGB jedes Darlehen mit 6 Monaten Frist kündigen.

Wie finde ich den besten Zeitpunkt für ein Forward-Darlehen?

Den „perfekten" Zeitpunkt gibt es nicht, da niemand die Zinsentwicklung sicher vorhersagen kann. Ein Forward-Darlehen ist dann sinnvoll, wenn Sie mit steigenden Zinsen rechnen und sich die aktuelle Kondition sichern möchten. Beobachten Sie die Zinsentwicklung über mehrere Monate und lassen Sie sich professionell beraten.

Fazit

Die Anschlussfinanzierung bietet eine große Chance, bares Geld zu sparen. Werden Sie frühzeitig aktiv, vergleichen Sie gründlich und nutzen Sie Ihre Verhandlungsposition. Ob Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen – die richtige Wahl hängt von Ihrer individuellen Situation, dem aktuellen Zinsniveau und Ihren persönlichen Präferenzen ab. Eines gilt in jedem Fall: Wer vergleicht und verhandelt, zahlt weniger.


Ihre Zinsbindung läuft bald aus und Sie möchten sich optimal aufstellen? Orhan Keserli und das Team von homefin beraten Sie gerne – persönlich, kompetent und unverbindlich. Wir helfen Ihnen, den Überblick zu behalten und die beste Entscheidung für Ihre Anschlussfinanzierung zu treffen. Kontaktieren Sie uns für ein kostenloses Beratungsgespräch!

Häufig gestellte Fragen

Idealerweise beginnen Sie 2-3 Jahre vor Ablauf der Zinsbindung mit der Beobachtung des Zinsmarktes. Spätestens 1 Jahr vorher sollten Sie aktiv Angebote vergleichen und 6 Monate vorher die Entscheidung treffen.
Bei der Prolongation verlängern Sie den Kredit bei Ihrer bisherigen Bank zu neuen Konditionen, was wenig Aufwand erfordert. Bei der Umschuldung wechseln Sie zu einer anderen Bank, was zwar Grundbuchkosten verursacht, aber oft deutlich bessere Zinsen bringt.
Ein Forward-Darlehen lohnt sich vor allem, wenn Sie mit steigenden Zinsen rechnen und Ihre Zinsbindung in 1-3 Jahren ausläuft. Bei längeren Vorlaufzeiten wird der Zinsaufschlag zunehmend teurer und die Ersparnis geringer.
Ihre Bank stellt die Restschuld nicht sofort fällig, sondern führt den Kredit zu einem variablen Zinssatz weiter. Dieser variable Zins kann deutlich höher sein als ein Festzins und ändert sich alle 3-6 Monate.
Ja, die Anschlussfinanzierung ist eine gute Gelegenheit, die Tilgungsrate anzupassen. Wenn Ihr Einkommen gestiegen ist, können Sie die Tilgung erhöhen und so die Restlaufzeit erheblich verkürzen.
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Orhan Keserli
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